Haptische Farbhäppchen und gute Kabinettstückchen

Mise à jour: 20/11/2007 8:45:04

Für das Kulturjahr der Großregion wurden schon viele Opfer gebracht – jetzt hat der „Cercle artistique de Luxembourg“ sogar kurzum seine Statuten ausgehebelt, um auch Künstlern aus dem näheren Ausland die einmalige Möglichkeit zu geben, neben einheimischen Künstlern beim alljährlichen Salon auszustellen.
Marc Rollinger

Die an sich rühmliche Idee hat natürlich auch ihre Tücken: Exzellente Arbeiten können so (rein theoretisch) von weniger herausragenden Werken in Geiselhaft gehalten werden und schlimmstenfalls einen Gewinner verhindern, der ohne Patenschaft vielleicht den Preis zuerkannt bekommen hätte.
In diesem Zusammenhang wäre es vielleicht auch einmal an der Zeit, darüber nachzudenken, ob man der Kür nicht eine schriftliche Begründung folgen lassen sollte, die die Entscheidung der Jury näher beleuchten oder gar motivieren könnte – schließlich geht es bei dem mit 5.000 Euro dotierten „Prix de Raville“ immerhin darum, ein Werk zu kennzeichnen „qui se fera remarquer par une qualité exceptionnelle, une facture picturale personnelle aussi bien que par un certain esprit d’indépendance vis-à-vis des grands courants esthétiques étrangers“.

Verdoppelung des Preisgeldes

Jean Petit, Präsident des „Cercle artistique“, ist sich auch durchaus darüber bewusst, dass der Ausstellungsraum, das Foyer des Grand Théâtre, weder eine ideale Lösung darstellt noch ewig hingenommen werden kann. Leider war es auch ihm bislang noch nicht möglich, feste Zusagen zur Rückkehr in die sich gerade im Umbau befindliche Villa Vauban oder zu einer Übergangslösung in den Rotunden zu erhalten.
Dies alles vermochte die Freude der Gewinnerinnen Carine Kraus aus Luxemburg und Maria Steinmann aus Trier verständlicherweise nicht zu trüben, umso mehr als die Stifterin des „Prix de Raville“, die Dresdner Bank, sich in letzter Minute dazu bereit erklärt hatte, das von ihr bereit gestellte Preisgeld ausnahmsweise zu verdoppeln und damit den beiden Künstlerinnen eine wahrhaft ungeteilte Freude zukommen zu lassen.
Die Werke „A. mit Tacker“ bzw. „mit Hammer“ bzw. „mit Pinsel“ sowie die Assemblage „Zu Tisch bei M.“ weisen nicht nur viele gegenseitige Bezüge auf, sondern überzeugen vielmehr aufgrund ihrer eindringlichen und komplementären Behandlung des Raums. Neben den üblichen Verdächtigen wie Rafael Springer, der sich auch dieses Jahr mit seinen haptischen Farbhäppchen und -scheibchen und seiner zurückhaltenden Farbpalette treu blieb, gab es aber auch einiges erfrischend Neues zu entdecken, wie zum Beispiel die quadratisch, praktisch, guten Kabinettsstückchen der Luxemburgerin Claude Ernster, der mit ihrem Vitruvmännchen in Blau zwar nicht die Quadratur des Kreises gelang, aber dennoch auf Anhieb zu gefallen vermochte. Im Bereich der Fotografie blieben Nathalie Soldani und René Weling aus Belgien zwar die einzigen, die ihre Werke auch physisch ergänzt hatten, und dennoch fiel gerade die Qualität in diesem Segment sehr wohltuend auf.
Der Gewinner des „Prix Grand-Duc Adolphe“ wird übrigens erst Anfang Dezember bestimmt und normalerweise Ende des Jahres bekannt gegeben. Wir werden in einer späteren Ausgabe darauf zurückkommen.